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31. März 2020

Corona: Heterogenes Bild bei Logistikern im Großraum Osnabrück, Münster und Bielefeld

Momentaufnahme und politische Forderungen

Aufgrund der Dynamik der aktuellen Ereignisse und der damit verbundenen geringen Halbwertzeit des Wissens ist es derzeit kaum möglich, eine auf längere Sicht gültige Erklärung zur Gesamtsituation der regionalen Logistikbranche in der Corona-Krise abzugeben. Auch die unterschiedliche Betroffenheit der jeweiligen Teil- und Funktionsbereiche, innerhalb derer die Betriebe tätig sind, erlaubt kein einheitliches Bild.

Während in einigen Unternehmen der Geschäftsbetrieb fast vollständig zum Erliegen kommt, herrscht woanders noch weitgehend Normalbetrieb, einige stehen gar vor Nachfragespitzen. 
Vor diesem Hintergrund zeichnen sich nach Beratungen mit Vertretern aus Unternehmen und weiteren Institutionen dennoch einige allgemeingültige herausfordernde Entwicklungen in der gesamten Branche ab, die hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit aufgeführt werden:

  • Extreme Flexibilität gefordert: Insbesondere im internationalen Bereich entstehen täglich neue Herausforderungen durch zunehmende Einschränkungen und Werkschließungen.
  • Ausfall von Transportunternehmen im Ausland: Der Ausfall bestehender Transportunternehmer in einigen Ländern führt zu Problemen bei einigen Dienstleistern, die auf diese Frachtführer angewiesen sind. Die Gewährleistung von Versorgungsketten ist gefährdet.
  • Lagerkapazitäten: In Teilen gestörte Versorgungsketten verursachen Schwierigkeiten in Lagerbereichen: U.a. sind Kapazitätsgrenzen erreicht oder werden nicht ausgeschöpft.
  • Mehrbelastung bei Fahrern: Gestörte Versorgungsketten und die einhergehende Problematik in den Lagern führt vor allem bei Fahrern oftmals zu zeitlichen Mehrbelastungen insbesondere durch Wartezeiten.
  • Sonntags- / Feiertagsfahrverbote: Das Fehlen bundeseinheitlicher Regelungen bzgl. des Sonntags- und Feiertagsfahrverbots führt insbesondere im Bereich Tiefkühllogistik zu Problemen.
  • Maßnahmen zur Virenabwehr: Es fehlen klare und umsetzbare Regelungen zur weiteren Umsetzung von Vorsichtsmaßnahmen zur Virenabwehr insbesondere für das Verhalten und die Ausstattung von Fahrern auf Betriebshöfen, insbesondere beim Kunden.
  • Hohe Krankenstände: Die aktuell hohen Krankenstände führen zu operativen und finanziellen Belastungen der Unternehmen.
  • Nichtanerkennung Systemrelevanz: Die fehlende Anerkennung der Logistikbranche als systemrelevanter Wirtschaftszweig verhindert für Familien von Mitarbeitern den Zugang zu organisierter Kinderbetreuung.
  • Verhältnis Akteure / Markt: Abschätzung aktuell schwierig, in welche Richtung sich der derzeit teils korrespondierende Ausfall der Fahrer / Transportunternehmer zum insgesamt sinkenden Marktvolumen bewegt.

Um diesen und den zukünftigen Herausforderungen bestmöglich zu begegnen wird unsere Branche ihr Möglichstes tun. Insgesamt ist jetzt Kooperation über Produktgruppen und Spezialisierungen hinweg das Gebot der Stunde. Wettbewerbs- und Marktanteilgedanken sollten zurückgestellt werden. Einen enormen Vorteil bietet dabei die vorwiegend familiäre und mittelständische Aufstellung unserer Branche in der Region sowie bestehende Strukturen wie das KNI: Über kurze, etablierte und neue Kommunikationswege arbeiten wir aktuell hochflexibel und kooperativ in unseren Netzwerken: Wir arbeiten zusammen mit Menschen, mit denen wir vor der Krise nicht in Kontakt standen. Wir prüfen die Überlassung von Mitarbeitern. Wir tauschen Kapazitäten wie Lagerflächen und Fahrzeuge aus. Wir stehen in engem Kontakt zu Forschungspartnern.

Allerdings benötigen  die Unternehmen in dieser besonderen Situation zusätzliche Unterstützung seitens der Politik um begonnene Maßnahmen zu stärken und die Stabilität der Branche auch längerfristig zu gewährleisten. Daher werden folgende vorläufige Forderungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit an die politischen Entscheidungsträger formuliert:

  • Kabotage: Der Ausfall von Transportunternehmen in einzelnen Ländern erfordert zur Aufrechterhaltung der Versorgungsketten eine kurzfristige Aussetzung der Kabotage in den Bereichen Lebens-/ Futtermittel, Medizinprodukte und Treibstoffe. 
  • Plattformen für den Austausch von Kapazitäten: Eine finanzielle und / oder organisatorische Unterstützung bestehender und zu schaffender Plattformen zum Austausch von Mitarbeitern und Infrastruktur in der Logistik wäre wünschenswert. 
  • Ruhezeiten / Lenkzeiten: Aufgrund der Störungen in den Lagerbereichen wäre eine vorübergehende Reduzierung der Ruhezeiten neben der Ausweitung der Lenkzeiten eine Maßnahme, die dazu führen sollte, dass verbleibende LKW die vorgesehenen Touren bewerkstelligen können.
  • Sonntags- und Feiertagsfahrverbote: Sonntags- und Feiertagsfahrverbote sollten bundeseinheitlich geregelt werden (insbesondere für den Bereich Tiefkühllogistik).
  • Maßnahmen zur Virenabwehr: Benötigt werden möglichst international gültige praktikable Regelungen für Maßnahmen zur Virenabwehr insbesondere für das Verhalten und die Ausstattung von Fahrern auf Betriebshöfen beim Kunden.
  • Krankengeld: Die Krankengeldregelung sollte kurzfristig und vorübergehend ab dem 1. Krankheitstag gelten.
  • Systemrelevanz: Die Logistikbranche sollte dauerhaft als systemrelevante Branche anerkannt werden, damit verbunden ist der Zugriff von Mitarbeitern auf Betreuungslösungen für Kinder.

Der KNI e.V. plant, diese Forderungen kurzfristig über die bestehenden Kanäle an die politischen Entscheidungsträger heranzutragen. Wir sind offen für weitere Ergänzungen und kritische Anmerkungen – bitte treten Sie mit uns in Kontakt! So können wir gemeinsam die Chance wahrnehmen, die Dynamik des Geschehens zu beeinflussen.
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