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09. September 2019

Nicht auf die Kriechspur drängen lassen

Zukunft des Seehafenhinterlandverkehrs

Am 5. September begrüßte das Kompetenznetz Individuallogistik (KNI) e.V. neunzig Experten in der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt zum Osnabrücker Seehafenhinterland-Dialog 2019. Unter dem Motto „Hinterland der Zukunft - Bausteine für effiziente und umweltgerechte Transportketten“ wurden leistungsfähige und zugleich umweltgerechte Lösungsansätze für die verkehrliche Anbindung der Seehäfen diskutiert.

Die Vorträge und Workshops zeichneten dabei ein deutliches Bild. Während im asiatischen Raum derzeit Seehäfen, logistische Knotenpunkte sowie Schienen- und Straßennetze durch massive Investitionen im großen Stil auf- und ausgebaut werden, führt der Investitionsstau der hiesigen Infrastruktur zu immer gravierenderen Engpässen bei den Transporten zwischen den deutschen und niederländischen Seehäfen und dem Hinterland. Stetig wachsende Schiffsgrößen belasten die Verkehrsinfrastrukturen dabei deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren.

Neben der Instandsetzung der Infrastrukturanlagen sehen die Experten die größten Potenziale für eine umweltgerechte Organisation des Güterverkehrs darin, bestehende Strukturen effizienter zu nutzen. Dies muss zum einen über eine bessere Einbindung von Schiene und Binnenschiff geschehen, zum anderen bietet die Digitalisierung große Chancen, Verkehre transparenter und ressourcenschonender zu organisieren. Träge Verwaltungsstrukturen werden dabei als größtes Problem für die Anbindung des Hinterlands gewertet: in einer Umfrage war die überwiegende Zahl der Workshopteilnehmer z.B. der Meinung, die Digitalisierung werde den Güterverkehr weltweit innerhalb von zwanzig Jahren grundlegend verändern. Bezogen auf den Standort Deutschland wurde dies deutlich skeptischer gesehen. Um im Welthandel nicht auf die Kriechspur abgedrängt zu werden sind daher schnellere Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse gefordert, die ein einheitliches nationales und europäisches Vorgehen bei der Entwicklung von „smarter“ Infrastruktur ermöglichen. Denn nur eine transparent gesteuerte und möglichst effizient genutzte Infrastruktur entlastet auch die Umwelt, da sie Leerfahrten, Standzeiten oder unnötige Transporte vermeidet.

Weiterhin einigten sich die Teilnehmer darauf, dass ein gemeinsames Vorgehen bei der Entwicklung zukunftsfähiger Transportketten von und zu den Seehäfen von entscheidender Bedeutung ist, vor allem wenn viele Akteure in die Prozesse eingebunden sind. Ansätze dazu gibt es, z.B. Kooperationen deutscher und niederländischer Seehäfen im Bereich der Klassifizierung der Umweltverträglichkeit von Hochseeschiffen. Insgesamt müssen aber weiterführende Kooperationsformen zwischen den Seehäfen untereinander und ihren Partnern im Hinterland gefunden werden, um Seehafenanbindungen zukunftssicher aufzustellen.

Für die KNI-Region um Osnabrück ist die Hinterlandanbindung ein zentrales Thema, weil derzeit verschiedene Infrastrukturprojekte, u.a. die Umschlaganlagen für den Kombinierten Verkehr im Osnabrücker Hafen (Schiene – Straße) und im Landkreis Osnabrück / Bohmte (Straße – Wasserstraße) vor der Umsetzung stehen. Die Logistikregion zwischen Osnabrück, Münster und Bielefeld hat eine ausgezeichnete Lage zu den Seehäfen auf deutscher und niederländischer Seite und bietet aufgrund seiner hohen Dichte an Logistikdienstleistern das notwenige Knowhow für leistungsfähige, kundengerechte Transportketten.

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